Der Begriff der Anschauung in der abendländischen Philosophie
Der Begriff der Anschauung in der abendländischen Philosophie (Alessandro Ialenti) Das Wort » Anschauung« wird seit dem Anfang der griechischen Philosophie unterschiedlich verwendet. Schon Platon und Aristoteles haben das philosophische Denken mit einem Akt der Anschauung in Zusammenhang gebracht. Das griechische Zeitwort θάομαι lässt sich mit »anschauen, bewundern, betrachten« übersetzen. Diese drei Tätigkeiten des Geistes oder der Seele beziehen sich zuerst auf das Philosophieren an sich. Das Denken ist ein Akt der Anschauung als Erfahrung des philosophierenden Menschen. Die gesamte abendländische Philosophie ist von dieser Einstellung sehr stark eingeprägt: Das Wort »Theorie« stammt aus dem oben erwähnten Zeitwort θάομαι und das Wort »Idee« stammt aus der Vergangenheitsform (εἶδον) von ὁράω (anschauen, sehen, wahrnehmen): Ich habe es gesehen, also ich weiß. Platon weißt eindeutig auf diesen Begriff hin, indem er schreibt: οὗτος μὲν οἴεταί τι εἰδέναι οὐκ εἰ...